Facebook Twitter
Drucken
29. März 2025 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Gekonntes Täuschungsmanöver

Gekonntes Täuschungsmanöver

Datum 29.03.2025

Der Blick auf das Radar verspricht Regen, aber der Blick aus dem Fenster zeigt trockene Verhältnisse - was ist da denn los?

Am heutigen Samstagvormittag entschied sich der Autor dieses Textes dazu, einen Radar- und Satellitenfilm auf Social Media zu veröffentlichen, der die aktuelle Bewölkungs- und Niederschlagssituation in Deutschland zeigte. Hintergrund war die heute Mittag stattgefundene partielle Sonnenfinsternis, genauer genommen eine Einschätzung, wo man gute und wo schlechte Karten haben wird, das Himmelsspektakel zu verfolgen. Darauf folgte ein Kommentar, dass es laut Radar in der Region des Nutzers gerade regnen würde, dies aber in Wirklichkeit nicht der Fall sei.

Tatsächlich zeigte das Radarbild etwa von Franken über Westsachsen bis ins südliche Brandenburg recht verbreitet leichte Niederschläge, allerdings meldeten die Wetterstationen keinen Tropfen. Im Süden gab es laut Radar ebenfalls großflächig Niederschlagssignale, die dort dagegen aber durch zahlreiche Stationsmessungen belegt wurden.


Radar- und Satellitenbild sowie einstündige Niederschlagsmenge vom 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD
Radar- und Satellitenbild sowie einstündige Niederschlagsmenge vom 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD


Was war denn da nun bitte los? Radar kaputt? Niederschlagsmesser defekt? Nein, beides falsch! Den Grund dafür findet man bei Betrachtung der vertikalen Schichtung der unteren Atmosphäre, genau genommen den Verlauf von Lufttemperatur und -feuchtigkeit mit der Höhe. Dafür nutzt man sogenannte Radiosonden. Bei einer Radiosonde handelt es sich um ein Gerät, das mit einem Sender und mehreren Messfühlern ausgestattetet ist. Angebunden an einen mit zumeist Heliumgas gefüllten Gummiballon, steigt die Radiosonde mit rund 300 Metern pro Minute in die Luft auf und misst dabei stetig Luftdruck, -feuchte und -temperatur sowie indirekt durch die Windverlagerung auch Geschwindigkeit und Richtung des Windes. Diese Daten werden über den Sender direkt an die Empfangsstation am Boden übermittelt. Kurz darauf stehen sie schließlich uns Meteorologen grafisch aufbereitet zur Verfügung und liefern zudem neben vielen weiteren Beobachtungsdaten die Basis für die Prognosen unserer Wettermodelle. Weitere Infos zu Radiosondenaufstiegen finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020.

Da im "trügerischen" Niederschlagsbereich kein Radiosondenaufstieg zur Verfügung steht, schauen wir uns doch einfach einmal einen auf Prognosedaten beruhenden Aufstieg aus dieser Region an, in diesem Fall aus Oberfranken von 11 Uhr. Kurz zur Orientierung: Auf der linken Vertikalachse ist der Luftdruck in hPa und auf der Horizontalachse unten die Temperatur in Grad Celsius aufgetragen. Die Temperatur bleibt dabei entlang der roten Linien, die von unten nach schräg-rechts-oben verlaufen, konstant. Die Null-Grad-Linie ist blau eingefärbt. Den vertikalen Verlauf der Lufttemperatur stellt nun die durchgezogene schwarze Linie dar und der Taupunkt (Maß für die Luftfeuchtigkeit) wird durch die gestrichelte schwarze Linie repräsentiert. Liegen die beiden Linien, also Temperatur und Taupunkt, nah beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch, sind sie weit voneinander entfernt, ist sie niedrig.


Prognoseaufstieg aus Oberfranken am 29.03.2025, 11 Uhr MEZ.
Prognoseaufstieg aus Oberfranken am 29.03.2025, 11 Uhr MEZ.


Verfolgt man die beiden Linien des Aufstiegs von oben nach unten, stellt man fest, dass sie zunächst relativ nah beieinander liegen, die relative Luftfeuchtigkeit also recht hoch ist. Erst ab etwa 750 hPa beginnen sie stark auseinanderzugehen mit einem Maximalabstand bei etwa 800 hPa (grob 2 km Höhe). Hier ist die Luft also relativ trocken und das ist der entscheidende Punkt: Der Regen, der sich darüber entwickeln konnte, hatte es nicht durch diese trockene Schicht geschafft, sondern ist verdunstet und kam daher nicht am Boden an.

Durch die Verdunstung konnte diese trockene Luft zwar in den Folgestunden allmählich noch etwas angefeuchtet werden, am Boden kam aber trotzdem nichts mehr an, nun aber hauptsächlich deshalb, weil der Niederschlag mittlerweile abgeklungen war.



© Deutscher Wetterdienst