09. Juni 2013 | Dipl.-Met. Christian Herold
Wie stark werden die erwarteten Niederschläge?
Während man sich am Unterlauf der Elbe auf das Herannahen der Fluten vorbereitet, ist an den Oberläufen der Flüsse bereits das Schlimmste überstanden. Doch kaum ist das Regentief abgezogen, kündigt sich nach ein paar trockenen Tagen erneut teils stärkerer Regen an, der nicht gerade zur Entspannung der Hochwassersituation beiträgt. Doch dieses Mal lässt sich die Wetterlage nicht mit der vor einer Woche vergleichen.
Die starken Niederschläge der vergangenen Woche wurden von einem
hochreichenden und ortsfesten Tief über Mittel- und Osteuropa
verursacht, das sich eingekeilt zwischen Hochdruckgebieten kaum
bewegt hat. Es saugte feuchte Luft vom Schwarzen Meer an, die auf die
Kaltluft über Mitteleuropa traf. Das Ungewöhnliche war nicht die
Intensität der Niederschläge, sondern deren lange Andauer. Außerdem
herrschte auf der Ostflanke des Tiefdruckgebietes recht starker
Nordwind, der die Regenwolken gegen die Nordränder von Erzgebirge,
Thüringer Wald und Alpen trieb und für intensive Stauniederschläge
sorgte.
Dieses Mal sind die Niederschläge eher gewittriger Natur. Ursache ist
ein Tief über Frankreich, das über Deutschland hinweg zieht. Es führt
feuchte Mittelmeerluft heran, die auf trockene und etwas kühlere
skandinavische Luft trifft. An der sich verstärkenden
Luftmassengrenze bilden sich verbreitet Gewitter. In höheren
Luftschichten herrscht nur eine geringe Strömung, sodass die Gewitter
nahezu ortsfest bleiben und lokal sehr große Regenmengen ablassen.
Schon gestern gab es dadurch in der Mitte recht kräftige Gewitter,
die beispielsweise in Sachsen lokal so viel Regen brachten, dass
kleinere Bäche erneut Hochwasser führten.
Für heute und in der Nacht zum Montag simulieren die Modelle in der
Südhälfte weitere langsam ziehende Gewitter. Lokal eng begrenzt
können dabei Niederschlagsmengen von 20 - 50 l/qm in kurzer Zeit
fallen. Diese Gewitter sollen dann zu einem größeren Gewitterkomplex
zusammenwachsen. In der Meteorologie bezeichnet man so einen größeres
organisiertes Gewittergebiet als mesoskaliges konvektives System.
Derartige Systeme treten im Sommer häufiger auf und sind unter
Anderem oft mit Starkregen verbunden. Sie lassen sich recht schwer
prognostizieren, sodass auch jetzt die Vorhersagen bezüglich der
Position und Niederschlagsmenge noch recht unsicher sind. Nach
derzeitigem Stand ist vorwiegend ein Gebiet von Thüringen und
Nordfranken über Sachsen bis zur Lausitz und ein zweites Gebiet vom
Alpenrand bis zum bayerischen Wald von großflächigem gewittrigen
Starkregen betroffen. Dabei kann es in diesen Gebieten
Niederschlagsmengen von 20 bis 50 l/qm, lokal auch über 50 l/qm
innerhalb weniger Stunden geben. Regional können jedoch große
Unterschiede in den Regenmengen auftreten.
Zwar sind diese Niederschläge nicht mit den Mengen der vergangenen
Woche zu vergleichen. Da diese aber in recht kurzer Zeit fallen und
die Böden weitgehend mit Wasser gesättigt sind, könnte der starke
Regen dennoch für erhebliche Probleme sorgen.
Nach den neusten Modellrechnungen gibt es auch am Montag teils
kräftige Niederschläge im Süden. Besonders betroffen ist
voraussichtlich ein Gebiet vom Alpenrand bis zum Bayerischen Wald.
Dort können in manchen Gebieten nochmals über 50 l/qm innerhalb von
24 Stunden zusammen kommen. Erst am Dienstag setzt sich auch im Süden
allmählich Hochdruckeinfluss durch.
Weiter Informationen zu den Starkniederschlägen und zum Hochwasser
erhalten sie unter http://www.wettergefahren.de bzw.
http://www.hochwasserzentralen.de
© Deutscher Wetterdienst
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