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18. Januar 2014 |

Föhn

Derzeit befindet sich ein ausgedehnter Tiefdruckkomplex über
Westeuropa, der bis nach Nordafrika reicht. Auf der Ostflanke dieses
Tiefdruckkomplexes wird mit einer südlichen Strömung Luft fast
senkrecht gegen die Alpen geführt. Somit entsteht dort eine typische
Südföhnlage.

Doch was genau ist eigentlich Föhn?

Nach der Definition der Weltmeteorologische Organisation (WMO) ist
Föhn "in der Regel ein Wind auf der Leeseite eines Gebirges, der beim
Abstieg eine Erwärmung und Trocknung erfährt."

In der Regel führen Föhnlagen zu starker Bewölkung, öfter auch
Niederschlag und relativ kühlen Temperaturen auf der Luvseite
(windzugewandte Seite) von Gebirgen und sonnigem und trockenem Wetter
mit höheren Temperaturen auf der Leeseite (windabgewandte Seite) des
Gebirges. Auf den Alpengipfel gibt es dabei häufiger Sturm- oder
sogar Orkanböen, die sich bis in die Täler auf der Leeseite
ausbreiten können.

Ein Gebirgsaufwind führt auf der Leeseite (rechts) zur Erwärmung der absinkenden Luftmassen (Föhn) (Bild: Dominik1411)


Doch wie entsteht eigentlich Föhn?

Dazu gibt es mehrere Theorien. In den meisten Lehrbüchern findet man
noch die "thermodynamische Föhntheorie", die auch als "Schweizer
Föhntheorie" bezeichnet wird. Nach dieser Theorie staut sich die Luft
an der Luvseite und wird zum Aufsteigen gezwungen, wodurch sich
Wolken und Niederschlag bilden. Durch die Niederschlagsbildung wird
Kondensationswärme frei, die die Luft erwärmt. Auf der Leeseite sinkt
dann diese Luft ab und erwärmt sich trockenadiabatisch mit 1 Grad pro
100 m. Somit kommt die Luft auf der Leeseite wärmer an. Durch den
warmen Fallwind lösen sich zudem die Wolken auf. Das Problem an
dieser Theorie ist, dass Niederschlag auf der Luvseite nötig ist. Es
tritt jedoch Föhn auch häufig ohne Niederschlag auf. Des Weiteren
wird der Grund für das Absinken der Warmluft auf der Leeseite, das
zu Sturmböen führen kann, nicht erklärt, denn dynamische Prozesse
fehlen in dieser Theorie.

Eine modernere Erklärung liefert die sogenannte "hydraulische
Föhntheorie". Vereinfacht dargestellt bleibt bei dieser Theorie die
anströmende Luft im Luv des Gebirges liegen und bildet so eine Art
"Kaltluftsee". Die Föhnluft im Lee kommt aus darüber liegenden
Luftschichten aus einer Höhe von 2000 m - 4000 m. Sie ist gegenüber
der "Oberfläche" des "Kaltluftsees" wärmer und trockener und fließt
über den Kamm. Dort "stützt" die Luft auf der Leeseite "hinunter" und
erwärmt sich dabei um 1 Grad pro 100 m. Ursache dafür ist ein
sogenannter hydraulischer Sprung. Vereinfacht kann man sich diesen
Prozess als Wasser vorstellen, das über ein Wehr fließt. Dabei wird
die potenzielle Energie (Lageenergie Aufgrund der Höhenlage) der Luft
in kinetische Energie (Bewegungsenergie) umgewandelt, wodurch es zu
einer Beschleunigung der Luft kommt. Zur Entwicklung der starken
Winde tragen auch weitere Effekte, wie das Durchströmen von engen
Gebirgspässen sowie Talformen, Turbulenzen usw. bei. So wirkt sich
der Föhn in jedem Tal unterschiedlich aus. Schwierig für die
Vorhersage ist, wann sich der Föhn gegenüber der häufig vorhandenen
bodennahen Kaltluftschicht im Lee durchsetzten kann und wann er
zusammenbricht. Oft gibt es bei Föhnlagen Temperaturunterschiede von
10 Grad auf engstem Raum.

Am Wochenende wird die Föhnlage in den Alpen weiterhin anhalten. So
wird auf der Alpensüdseite oberhalb von 1000 - 1500 m die Schneelage
mit etwa 15 - 30 cm Neuschnee noch weiter verbessert, während der
Föhn in den Nordalpen für ein weiteres Schmelzen der eh schon relativ
dünnen Schneedecke sorgt. Dort werden bei Sonnenschein in manchen
Föhntälern Höchstwerte von bis zu 12 Grad erwartet. Dazu gibt es auf
den Bergen schwere Sturmböen.



Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2014

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Bild: Dominik1411

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