04. November 2014 | Dipl.-Met. Marcus Beyer
Enorme Regensummen am Alpensüdrand und in Ligurien erwartet
Zwar gibt es zur Zeit auch im Südwesten Deutschlands gebietsweise etwas mehr Regen. Diese Mengen sind aber rein gar nichts im Vergleich zu den enormen Niederschlagssummen, die heute und am morgigen Mittwoch von der ligurischen Küste bis zum Alpensüdrand fallen sollen.
Wodurch werden diese heftigen Niederschläge ausgelöst und was kommt auf die Gebiete zu? Darum soll es im heutigen Thema des Tages gehen.
Um zu verstehen, wie es zu den erwarteten Regenmassen kommen kann,
hilft zunächst ein Blick auf die aktuelle Großwetterlage. So
erstreckt sich tiefer Luftdruck von Spanien über Frankreich und die
Britischen Inseln bis nach Skandinavien. Demgegenüber dominiert vom
östlichen Mittelmeerraum, über das Schwarze Meer bis nach
Westrussland hoher Luftdruck. Diese Druckverteilung hat zu Folge,
dass sich über Mitteleuropa und auch in den oben erwähnten Gebieten
eine kräftige südwestliche Strömung einstellt.
Die Luftmassen, die für die extremen Niederschläge sorgen, haben also
ihren Ursprung über dem westlichen Mittelmeerraum. Schaut man sich
die Wassertemperaturen in dieser Region an, so findet man Werte im
Bereich zwischen 20 und 22 Grad. Gewöhnlich hat der Mittelmeerraum
Ende des Sommers bis in den Herbst hinein die höchsten
Wassertemperaturen. Dadurch ist die Luft, die über das Mittelmeer
strömt, warm und mit viel Wasserdampf anreichern.
Ce matin: un thalweg sur l'Atlantique qui ne progresse que lentement et le front froid à l'avant. #pluie #inondation pic.twitter.com/XHAA61BYrx
— Keraunos (@KeraunosObs) 4. November 2014
Diese wasserdampfreichen Luftmassen werden nun mit der kräftigen
südwestlichen Strömung über den Golf von Genua zur ligurischen
Mittelmeerküste gelenkt. Dort gibt es aber ein Problem: Kurz hinter
der Küste befindet sich nämlich eine Gebirgskette, die zu den
Apenninen gehört - die Ligurische Apenninen. Ihre höchste Erhebung
reicht bis 1800 m. Die feuchte Luft prallt also bei dieser Anströmung
mit voller Kraft gegen das Gebirgshindernis, das wie eine Barriere
wirkt. Da es kein richtiges Weiterkommen gibt, wird ein Teil der
Feuchtigkeit an der Gebirgskette gestaut und wie ein Schwamm
ausgepresst. Da gleichzeitig der Zustrom aus Südwesten beständig
anhält und zudem und noch Gewitter eingelagert sind, können sich in
den küstennahen Gebieten große Regenmengen entladen.
Das gleiche passiert auch noch etwas weiter nördlich. Dort liegt eine
noch viel mächtigere Gebirgskette - die Alpen. Direkt hinter dem
Ligurischen Apennin gibt es zunächst ein Niederschlagsminimum, sodass
in der Poebene kaum nennenswerte Niederschlagsmengen erreicht werden.
An den zum Teil über 4000 m hohen Alpen stauen sich die Luftmassen
aber erneut und haben nun wirklich keine Chance daran vorbei
zukommen. Die Folge ist, dass nun auch noch der Rest der in Luft
vorhandenen Feuchtigkeit komplett in Wolken und Regen verwandelt
werden, sodass enorme Stauniederschläge zustande kommen. Dies gilt am
heutigen Dienstag vor allem für die Westalpen, am morgigen Mittwoch
etwas abgeschwächt auch für die weiter östlich gelegenen Gebiete.
Am Alpennordrand sorgt die Konstellation übrigens für fast
sommerliche Wetterbedingungen. Wenn die Luft über den Alpenhauptkamm
geführt wird, ist sie mittlerweile ziemlich trocken und kann sich
dadurch, wenn sie auf der Nordseite wieder herunter strömt, rasch
erwärmen (Föhn). So lag die Temperatur am Bodensee bereits in den
Frühstunden bei 19 Grad.

Zurück zu dem Niederschlagsereignis. Wieviel Niederschlag ist nun
eigentlich zu erwarten? Die verschiedenen Wettermodelle bringen recht
einheitlich sehr hohe Mengen. Diese liegen in Ligurien und an den
Westalpen bis Mittwochmorgen zwischen 150 und 300 l/qm in 24 h. Lokal
ist sicherlich auch noch etwas mehr möglich. Damit man sich eine
Vorstellung machen kann, hier mal ein kleiner Vergleich: In Berlin
liegt die durchschnittliche Jahressumme (!) des Niederschlags bei 600
l/qm. In den angesprochenen Gebieten wird also vereinzelt die Hälfte
dieser Menge innerhalb eines Tages erreicht. Zur Veranschaulichung
der betroffenen Regionen finden Sie eine Grafik über die
Niederschlagssummen bis Donnerstagmorgen, indem Sie auf der rechten
Seite unter "Thema des Tages" auf [mehr] klicken.
Es ist jetzt schon absehbar, dass dies nicht ohne Folgen bleiben
wird. Das kann man sich auch leicht vorstellen, wenn man sich
auszumalen versucht, wie diese Regenmassen über Flüsse und Bäche
wieder zum Meer transportiert werden sollen. Zudem kommt erschwerend
hinzu, dass die Schneefallgrenze ziemlich hoch liegt (meist zwischen
1500 und 2000 m). Dadurch ist auch kaum Entlastung durch eine
eventuelle Bindung des Flüssigwassers in eine feste Schneephase zu
erwarten.
Es kommen also einige schwere Stunden auf die Bewohner der
betroffenen Gebiete zu, während sich am Alpennordrand vielleicht der
eine oder andere bei Föhnsonne und Wärme am Nachmittag ein kühles
Getränk genehmigen wird.
© Deutscher Wetterdienst
Bild: DWD
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