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29. März 2015 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Polarfrontjetstream - ein Starkwindband in der Höhe gibt den Takt vor!

Die sogenannten Jetstream oder auch Strahlströme stellen ein schmales, bandartiges Starkwindfeld in der oberen Troposphäre bis hin zur Stratosphäre dar, die sich rund um den Globus ziehen.

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Sie entstehen an der Grenze zwischen unterschiedlich temperierten Luftmassen meist über den mittleren Breiten. Dabei unterscheidet man den Polarfrontjetstream, der die polare Luftmasse von der Subtropischen trennt, sowie den Subtropenjetstream der die subtropische Luftmasse von der tropischen abgrenzt. Die Grenze zwischen polarer und subtropischer Luft (Polarfront) markiert darüber hinaus eine Zone mit niederem Luftdruck, die polwärts und äquatorwärts von Zonen mit höherem Luftdruck abgelöst wird. Als Ausgleich zwischen den Druckunterschieden strömt die Luft von den Hochdruckgebieten über den polaren sowie subtropischen Regionen zum tieferen Luftdruck und wird dabei durch die Corioliskraft auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links, d. h. jeweils nach Osten abgelenkt. Aufgrund der fehlenden Reibung und somit Abbremsung der Luft in der Höhe können sich dort sehr starke Höhenwinde mit Windgeschwindigkeiten zwischen 200 und 400 km/h, teilweise sogar bis 500 km/h entwickeln.

Die Jetstream sind durch hohe vertikale und horizontale
Windgeschwindigkeitsscherungen charakterisiert und weisen ein oder
mehrere Geschwindigkeitsmaxima auf. Der Bereich maximaler
Windgeschwindigkeit wird als Strahlstrom- oder Jet-Achse bezeichnet,
verläuft nur selten völlig waagerecht und verfügt meist nur über eine
Breite von 50 bis 100 km. Zudem mäandrieren Jetstream wie Flussläufe,
können sich in mehrere Äste aufspalten und sind hinsichtlich ihrer
Lage im Raum, ihrer Form und Intensität ständigen Veränderungen
unterworfen.

Auch unter der derzeitigen Luftdruckverteilung über dem Atlantik
sowie dem europäischen Festland konnte sich wieder ein starker
Polarjetstream ausbilden. Verantwortlich dafür ist das kräftige und
großräumige Azorenhoch, welches sich bis weit in den Mittelmeerraum
ausweiten konnte, sowie eine Tiefdruckzone von Neufundland bis nach
Skandinavien, in die mehrere, unterschiedlich intensive
Tiefdrucksysteme eingebettet sind. Zwischen den beiden Druckgebilden
bildete sich eine lebhafte westliche Strömung aus, die mit der Höhe
an Stärke gewinnt.

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Der Polarjetstream im 300-hPa-Niveau (um 9100 m) zeigte heute Morgen
um 8 Uhr entsprechend von Neufundland bis nach Großbritannien die
höchsten Windgeschwindigkeiten, die in der Spitze Werte bis 370 km/h
erreichten (vgl. Graphik). Selbst im 850-hPa-Niveau, was
etwa einer Höhe von 1500 m entspricht, wies die westliche Strömung
verbreitet noch Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 150 km/h auf.
Auch über Deutschland prognostizierten die Modelle in 1500 m Höhe
schon für den Morgen Winde bis 100 km/h. In Böen waren dort demnach
Windgeschwindigkeiten bis in Orkanstärke möglich. Als Beispiel dient
hier der Brocken, auf dem zwischen 6 und 7 Uhr eine maximale Böe von
130 km/h gemessen wurde.

Da sich die Luftdruckverteilung in den kommenden Tagen nur
unwesentlich ändert, bleibt auch der Polarjetstream von seiner
Intensität her nahezu gleich. Allerdings verschiebt er sich weiter
nach Osten, sodass sogar über Deutschland im 300-hPa-Niveau
Windgeschwindigkeiten bis 350 km/h auftreten sollen. Da der Jetstream
gleichermaßen als lenkende Autobahn für Sturmtiefs samt Tiefausläufer
gilt, treten auch in tiefen Lagen verbreitet Böen in Sturmstärke auf.
Zudem bringen die Tiefausläufer kräftigen und teils länger
andauernden Regen mit, der die Flüsse rasch ansteigen lässt.




© Deutscher Wetterdienst

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