06. Mai 2013 | Dipl.-Met. Marcus Beyer
Starker Tornado in Norditalien
Es war Nachmittag, als sich am vergangenen Freitag (03.05.2013) in
Norditalien einige kräftige Gewitter gebildet hatten. An einem konnte
sich etwa gegen 16:45 Uhr ein Tornado bilden, der in seinem
Einflussbereich für große Zerstörung gesorgt hat. Der Ort des
Ereignisses lag am südlichen Rand der Poebene, genauer gesagt in San
Giorgio di Piano (nördlich von Bologna).
Der Tornado war so heftig, dass er Autos durch die Luft gewirbelt und
Bäume entwurzelt hat. Auch ein Gebäude stürzte ein. Für viele bot
sich am Ort des Geschehens ein Bild der Zerstörung. Insgesamt 13
Personen wurden bei dem nur zehn Minuten dauerndem Ereignis verletzt.
Die Größe und Erstreckung des Tornados lässt sich auch sehr gut an
den zahlreichen Videoaufnahmen erkennen. Diese sind vielfach im Netz
zu finden und lassen sich am einfachsten über eine Suche mit den
Wörtern "Tornado" und "San Giorgio di Piano" finden. Das ganze am
Besten noch versehen mit dem Datum.
Die genaue Stärke wird derzeit noch von Experten diskutiert, findet
sich aber wahrscheinlich im Bereich F3. Die Angabe F3 entstammt der
sogenannten Fujita-Skala, mit der Tornadoereignisse klassifiziert
werden. Die Einteilung erstreckt sich von F0 bis F5. Die schwächeren
Ereignisse die mit F0 bezeichnet werden, weisen eine Geschwindigkeit
zwischen 64 und 116 km/h auf. Ein F3-Tornado, wie er für den
Italienfall als recht wahrscheinlich erachtet wird, hat hingegen
schon Geschwindigkeiten zwischen 254 und 332 km/h zu bieten.
Natürlich kann man solche Geschwindigkeiten in der Regel nicht
messen. Stattdessen betrachtet man die Schäden, die nach einem
Tornadofall zu beklagen sind. Die F-Skala stammt aus den USA, wo
solche Ereignisse recht häufig auftreten. Sie orientiert sich neben
Vegetations-, vor allem auch an Gebäudeschäden. Da sich die Bauweise
in den Vereinigten Staaten aber zum Teil beträchtlich von der in
Europa unterscheidet, muss diese Unterteilungen noch auf die hier
anzutreffenden Bedingungen angepasst werden. Es existiert in Europa
auch noch eine weitere Unterteilung, die häufig verwendete
TORRO-Skala.
Auslöser für die heftigen Gewitter über Norditalien war eine
Tiefdruckrinne, die mehr oder weniger über der Poebene lag und dort
für ein Zusammenströmen der Luftmassen gesorgt hat. Wenn Luft
zusammenströmt, muss sie irgendwohin entweichen und das tut sie,
indem sie aufsteigt. Da die aufsteigenden Luftmassen zudem noch sehr
warm waren und die Umgebungsluft recht kalt, war es für die
Luftpakete sehr leicht große Höhen zu erreichen. Die Folge waren
Quellwolken, die sich am Nachmittag zu großen Gewittern auftürmen
konnten.
Damit sich Tornados auch tatsächlich bilden können, braucht es noch
zwei entscheidende Zutaten. Zum einen benötigen wir eine niedrige
Wolkenuntergrenze. Diese bekommt man, wenn die Luftmassen in den
bodennahen Schichten sehr feucht sind. Darüber hinaus ist eine starke
Windscherung in der unteren Schicht von Nöten. Darunter versteht man
neben einer Veränderung der Windstärke, vor allem auch eine Änderung
der Windrichtung mit der Höhe (zwischen 0 und 1 km). Diese Drehung
sorgt dann für die Ausbildung der gefürchteten Wirbel. Bei dem
Tornado in Norditalien sind die Bestandteile ideal zusammen gekommen
und haben zu den beschriebenen Folgen geführt.
Bei uns sind derlei Wetterunbilden in den nächsten Tagen nicht zu
erwarten. Gewitter gibt es aber durchaus. Diese konzentrieren sich am
heutigen Tag vor allem auf den Süden und die östlichen Mittelgebirge.
Die Gewitteraktivität weitet sich morgen auf große Teile von
Deutschland aus. Aufgrund der teilweise geringen Zuggeschwindigkeit,
sind dabei lokal größere Regenmengen möglich. Mehr Details dazu
finden Sie in den Wetterberichten unter http://www.dwd.de.
© Deutscher Wetterdienst
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